Bürgerspaziergang mit den Grünen: Themen direkt vor Ort besprochen

Am 3. März 2026 fand ein gemeinsamer Bürgerspaziergang durch das Lechviertel mit Frau von Mutius-Bartholy und Herrn Dr. Anan von der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sowie weiteren Mitgliedern der Bündnis 90/Die Grünen statt. Ausgangspunkt war der Elias-Holl-Platz. Von dort führte der Rundgang zu fünf Stationen, an denen wir aktuelle Entwicklungen unmittelbar vor Ort erläuterten und mögliche Lösungsansätze miteinander besprachen.

Ein Schwerpunkt war der Liefer- und Schwerlastverkehr in den engen Gassen der Altstadt. Regelmäßige Anlieferungen sind für Gastronomie, Handel und Gewerbe erforderlich. Gleichzeitig berichten Bewohnerinnen und Bewohner von deutlich wahrnehmbaren Erschütterungen bei der Durchfahrt großer Fahrzeuge. Hinzu kommen sichtbare Absenkungen im Straßenraum und Schäden an historischen Gebäuden. Im Gespräch ging es deshalb um ein Lieferkonzept, das die Versorgung der Betriebe gewährleistet und zugleich Straßenraum, Bausubstanz und Wohnumfeld besser schützt.

Eine weitere Station führte zum Vorderen Lech. Dort sprachen wir über die Erfahrungen mit den im Frühjahr 2025 aufgestellten Sitzbänken. Aus Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner haben sich an den derzeitigen Standorten wiederkehrende Nutzungskonflikte entwickelt. Dazu gehören nächtliche Aufenthalte, Lärm, zurückgelassener Müll und Einschränkungen in dem ohnehin sehr begrenzten Straßenraum. Auch Zugänge, Mülltonnenstandplätze sowie Be- und Entladevorgänge werden durch die Anordnung zusätzlich erschwert.

Besprochen wurde ebenfalls das Sicherheitsgefühl im direkten Wohnumfeld. Bewohnerinnen und Bewohner berichteten von Sachbeschädigungen, Graffiti, umgestoßenen Mülltonnen und unbefugtem Betreten von Wohnhäusern. Dabei war uns wichtig, einzelne Vorfälle nicht pauschal bestimmten Personengruppen zuzuordnen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie öffentliche Sitzgelegenheiten gestaltet und platziert werden können, damit sie Begegnung ermöglichen, ohne sensible Wohnlagen zusätzlich zu belasten.

Ein weiterer Themenbereich war die Entwicklung der Gastronomie im Lechviertel. Gastronomie gehört zur Altstadt und trägt zu ihrer Lebendigkeit bei. Gleichzeitig nimmt die Nutzung öffentlicher Flächen durch Tische, Stühle und weitere Ausstattung an verschiedenen Stellen zu. In den engen Gassen können dadurch Gehwege, Zugänge und Flächen für die allgemeine Nutzung eingeschränkt werden. Wir warben deshalb für klare Genehmigungsgrenzen, verlässliche Kontrollen und eine ausgewogene Nutzung des öffentlichen Raums.

Am Holbeinplatz sprachen wir zudem über die geplante Aufstellung einer Pflanzinsel mit integrierten Sitzgelegenheiten. Wir machten deutlich, dass wir Begrünung und attraktive öffentliche Plätze grundsätzlich begrüßen. Zugleich besteht bei den Bewohnerinnen und Bewohnern die Sorge, dass die neue Sitzlösung faktisch zu einer weiteren Ausweitung der angrenzenden gastronomischen Nutzung führen könnte. Diese mögliche Erweiterung gastronomisch genutzter Flächen über eine formal öffentliche Sitzgelegenheit haben wir beim Rundgang ausdrücklich angesprochen.

Auch die zukünftige Verkehrsführung im Lechviertel war Teil des Gesprächs. Die IG sprach sich dabei klar gegen die Einrichtung einer vollständigen Fußgängerzone aus. Eine solche Regelung würde aus unserer Sicht die Erreichbarkeit von Wohnhäusern, Garagen und Grundstücken zusätzlich erschweren und zugleich den Aufenthalts-, Veranstaltungs- und Nutzungsdruck im Viertel weiter erhöhen.

Als Alternative schlugen wir gut sichtbare Schilder mit dem Hinweis „Anlieger frei“ an den Einfahrten zum Lechviertel vor. Damit könnte unnötiger Durchgangs- und Parksuchverkehr reduziert werden, während Bewohnerinnen und Bewohner, Lieferdienste, Handwerksbetriebe und andere notwendige Verkehre weiterhin Zugang zum Viertel behalten.

Ein weiteres wichtiges Thema war die zunehmende kurzfristige Vermietung von Wohnungen an Feriengäste. Nach unserer damaligen Zählung wurden im Lechviertel rund 50 Wohnungen über Airbnb oder vergleichbare Plattformen angeboten. Unter der vereinfachenden Annahme von vier Bewohnerinnen oder Bewohnern pro Wohnung entspricht dies Wohnraum für etwa 200 Menschen – rechnerisch rund fünf Prozent der etwa 4.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Lechviertels.

Diese Größenordnung verdeutlicht, welchen Einfluss die kurzfristige touristische Vermietung auf ein vergleichsweise kleines Wohnquartier haben kann. Wohnungen, die dauerhaft als Ferienunterkünfte genutzt werden, fehlen dem regulären Wohnungsmarkt und verändern langfristig die Zusammensetzung und das nachbarschaftliche Leben im Viertel. Wir sprachen uns deshalb für eine genauere Erfassung und eine wirksame Begrenzung der Zweckentfremdung von Wohnraum aus.

Unser Anliegen ist nicht, Veränderungen grundsätzlich zu verhindern. Wir setzen uns für eine lebendige Altstadt ein, in der Wohnen, Handel, Gastronomie, Kultur, Begegnung und öffentlicher Raum in einer tragfähigen Balance stehen. Gerade im dicht bebauten Lechviertel sollten neue Maßnahmen deshalb frühzeitig mit den Menschen besprochen werden, die von ihren Auswirkungen unmittelbar betroffen sind.

Der Bürgerspaziergang bot die Möglichkeit, die besonderen räumlichen Bedingungen des Viertels direkt zu erleben und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Wir bedanken uns bei Frau von Mutius-Bartholy und Herrn Dr. Anan für das Interesse, die Zeit und den offenen Austausch.

Solche Vor-Ort-Termine sind eine wichtige Grundlage für unsere weitere Arbeit. Sie helfen dabei, Herausforderungen anschaulich zu vermitteln, Chancen sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die der Altstadt als dauerhaftem Wohn- und Lebensraum gerecht werden.

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